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Geschichte Taschendiebstahl

Entgegen vieler Meinungen ist das „Handwerk“ des Taschendiebstahls ein uraltes Gewerbe, das ihre Wurzel, laut Literatur,  im frühen Mittelalter zu finden scheint. Nur spärlich sind Berichte über die alte Zunft der Taschendiebe aufzufinden, die sich mit der Zunft der Taschendiebe befassen. Die ersten Quellen, die man als Anfänge des Taschendiebstahls bezeichnen kann, findet man in alten Überlieferungen, Sagen und Zeichnungen.

 

Inhaltsverzeichnis

Taschendiebe der alten Zunft

Diebesschulen

Hände der Taschendiebe

 

Taschendiebe der alten Zunft
Nach langwieriger Recherchen konnte man feststellen, dass die ersten Taschendiebe im 13. / 14. Jahrhundert ihre Erwähnung fanden, als vermehrt von Taschendieben berichtet wurde. Der Ursprung der heutigen Taschendiebe liegt also schon viele Jahrhunderte zurück und entstand aus der Gruppe der Straßenräuber. Der Taschendieb kann also als Spezialist unter den Straßenräubern bezeichnet werden, der sich immer mehr von seinem Ursprung entfernte. Der Taschendieb alter Schule genießt unter den Ganoven der Vergangenheit durchaus eine Sonderstellung. Nie würde er in Versuchung kommen in abgehängte Mäntel bzw. Jacken seiner Opfer zu wühlen, oder Straftaten eines anderen Delikts zu begehen. Der Diebstahl ausgelegter Waren in Kaufhäusern, oder das plumpe stehlen ganzer Taschen brachten ihn nie in die Verlegenheit zuzugreifen. Es erschien ihm  zu einfach und zu plump, sodass der Taschendieb der alten Generation als sehr deliktstreu zu bezeichnen ist. Der Taschendieb der alten Zunft lebte vom Kontakt zum lebendigen Menschen, obwohl dieser als sehr einseitig zu betrachten ist. Er brauchte den gewissen Reiz und Anspannung, um seine Beutezüge durch die Taschen seiner Opfer durchzuführen. Das Risiko einen lebendigen Menschen durch seine spielerische Art, List und Tücke zu bestehlen machten ihn zu einem Spezialisten. Er kann durchaus als Meister des Einfühlungsvermögens bezeichnet werden. Das Zusammenspiel seiner sinnlichen Erfassung, rascher Willensaktivierung und guter Auffassungsgabe ermöglichte ihm die Zielgerichtete Annäherung an sein ausgewähltes Opfer, das er mit seiner Fingerfertigkeit, Sanftheit und Behutsamkeit heimsuchte, um sich an den Taschen seiner Opfer zu bereichern. Oberstes Gebot für den Taschendieb alter Schule war die Gewaltlosigkeit und die Heimlichkeit. Als unwürdig erschien ihm auch die Ausnutzung einer misslichen Lage, Behinderung oder Gebrechlichkeit eines Menschen, sodass Menschen dieser Gattung selten zu seinen Opfern zählten. Der Taschendieb alter Schule galt als Durchschnittsmensch, der sich unauffällig inmitten seiner Mitmenschen bewegte. Durch sein Verhalten und angepasster Kleidung zum Tatort, gelang es ihm seine Anonymität zu wahren. Seine phänomenale Hand- und Fingerfertigkeit, sowie seine exzellente Auffassungsgabe und Menschenkenntnis machten ihn zu einem Dieb der ganz besonderen Art. Im Gegensatz zum Straßenräuber bestiehlt der Taschendieb seine Opfer mit seinen spezifischen Waffen, der…

  • Geschicklichkeit

  • Fingerfertigkeit

  • Menschenkenntnis

Sein besonderes Kennzeichen ist die Heimlichkeit und List, mit der er seine Opfer um ihr Vermögen bringt. Da der Taschendieb meist nur kleinere Summen erbeutet, begeht er serienmäßig Diebstähle seiner ganz besonderen Art und führt dabei seinen Beutezug durch die Taschen seiner Opfer mit großem Eifer fort. Aufgrund der niedrigen Aufklärungsquote ist festzustellen, dass der Taschendieb nur sehr schwer der Gerichtsbarkeit zuzuführen ist. Diese Tatsache lässt den Rückschluss zu, dass die Rückfälligkeitsquote im Gegensatz zu anderen Ganoven um ein vielfaches höher liegt. Überführte Taschendiebe im 12. bis 14 Jahrhundert wurden nicht weniger hart bestraft, wie andere Ganoven seiner Zeit. Taschendiebe erfuhren ihre Strafe durch Ertrinken, Verbrennung auf dem Scheiterhaufen, Abhacken einzelner Finger oder sogar ganzer Hände  oder durch öffentliches Erhängen. Gerade das Erhängen auf öffentlichen Plätzen zog viele Schaulustige an, was seine Artgenossen ausnutzten um sich der Habschaft der Schaulustigen widerrechtlich anzueignen.

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Diebesschulen
Im Jahr 1585 wurde erstmals von  Diebesschulen (Diebesschule von Mister Wotton`s, die sich an einer angrenzenden Gaststätte befand.) berichtet, die vor allem in London , Sevilla, Prag, Warschau, Rom, Madrid  und New-York, durch die Polizeiorganisationen festgestellt worden sind. Die heutigen Erkenntnisse sprechen dafür, dass derartige Einrichtungen immer noch Bestehen. Die meist jungen Taschendieb-Lehrlinge wurden an so genannten „Klingelpuppen“ ausgebildet bevor sie dann in bestimmte Reviere zum stehlen geschickt wurden. Die hohe Anzahl von festgestellten Diebesschulen lässt vermuten, dass viele weitere Schulen im Untergrund organisiert blieben, und somit junge „Meister“ ihres Fachs hervorbrachten, sodass das 17. Jahrhundert nicht ohne Grund als, Blütezeit der Taschendiebe anzusehen ist. Den Taschendiebstahls-Schülern wurde gelehrt, wie man unbemerkt mit dem so genannten „Scherengriff“ Seidentücher, Tabakdosen, goldene Schärpen, wertvolle Taschenuhren und  Geldbörsen entwendet. Den meist jungen Knaben wurde der heimliche Diebstahl an so genannten Klingelpuppen gelehrt. Klingelpuppen war zu dieser Zeit wohl noch ein irrtümlicher Begriff. Die früheren Klingelpuppen bestanden aus  Kleiderbügeln, an der Kleidung, wie Hose und Mantel befestigt waren. Die sog. Puppe hing frei schwebend an einer Wäscheleine mitten im Raum. Zudem waren die sog. Puppen mit vielen kleinen Glöckchen versehen. Die jungen Knaben mussten ohne jegliches läuten der Klingeln die Taschen der sog. Puppen entleeren. Erst nach Bestandener Prüfung durften die zukünftigen  Meister  des Diebstahls die Diebesschule verlassen, und ihre erlernte Kunst am lebenden Körper anwenden. Schon damals waren die Reviere der jungen Taschendiebe abgesteckt, denn jeder Taschendieb erhielt vom "Meister" einen zugewiesenen Bereich, wo er seine Opfer bestehlen durfte.

Hände der Taschendiebe
Die  Taschendiebe  der alten  Garde  waren  überwiegend  Einzelgänger, die aufgrund  ihrer Berufsehre in den seltensten Fällen zu Hilfsmitteln, wie scharfe Klingen oder  kleine  Messer, griffen.  Der  Taschendieb der  alten  Zeit arbeitete  ausschließlich  mit den  Händen,  oder  besser  gesagt  mit  zwei  geschickten  Fingern.  In  Fachkreisen  ist  der  Begriff   „Schere machen“,  wie  ein  Krebs  weit  verbreitet.  Weshalb  man  sie  auch  Taschenkrebse  oder Scherenmacher  nannte.  Beim   „Schere machen“   bewegt  man  Zeige -  und Mittelfinger  seitlich   voneinander  und  führt  sie  wie  die  Schneiden  einer  Schere   zusammen.  Das wertvollste Kapital eines Taschendiebs sind  seine Hände. Die  Aufgabe der Hände  besteht darin in die Taschen seiner Freier  mit einer  gewissen Leichtigkeit und  völlig  unverkrampft Hineinzugleiten.  Aufgrund seiner Zweifingerkunst  achtet er penibel  auf  die  Pflege  seiner pianistenähnlichen Hände. Nie würde er  schwere Arbeit  mit seinen Händen verrichten.  Oft trägt er außerhalb  seiner  Arbeitszeit  Handschuhe,  um  seine  feinfühligen, geschmeidigen und Wohlgepflegten schmalen Hände nicht zu beschmutzen.

Quellen: u.a. Der heimlichen Zunft auf die Hände geschaut (Alexander Adrion)

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