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Namensgebung

Der Begriff des Taschendiebs ist ein Relikt aus der Neuzeit. Wenn man vom Taschendieb der alten Zunft spricht, findet man in der Literatur häufig andere Begriffe.

Beutelschneider
Der Begriff stammt aus dem Mittelalter, damals trug man sein Lohn in einem Lederbeutel um den Leib geschnallt. Nur durch abschneiden war es möglich an das Habe des Opfers zu kommen.

Torfdrucker
Der Begriff des Torfdruckers stammt aus der Gaunersprache und bezieht Diebstähle die überraschend durchgeführt worden sind. Vor allem Taschendiebe finden in diesem Zusammenhang ihre Erwähnung. Das Wort drucken [wegnehmen, stehlen] kommt in der Gaunersprache nicht alleine vor, sondern ausschließlich im Zusammenhang mit dem Wort Torf [Beutel, drucken]. Der niederdeutsche Begriff ist eine Ableitung für Beutelzieher oder Beutelschneider. Tordrucken ist der rasche und heimliche  Diebstahl von Gegenständen die das Opfer unmittelbar am Körper trägt, oder aus mitgeführten Gegenständen.

Chailefzieher
Aufgrund der besonderen Fingerfertigkeit wurden die Taschendiebe der alten Zunft auch Chailefzieher oder Cheilefzieher genannt. Chailef, chelef bedeutet = Fett, Talg oder umgangssprachlich Geld.

Seifensieder
Der Begriff stammt aus der österreichischen Sprache und fand um 1850 seine erste Erwähnung. Bei dem Begriff der Seifensieder handelt es sich um eine schlechte Übersetzung des Begriffes Chailefzieher oder auch Cheilefzieher. Beide Schreibweisen findet man in der gängigen Literatur.

Paddendrücker
Aus der Berliner Umgangssprache ist der Taschendieb auch als Paddendrücker bekannt. Der Begriff leitet sich von der Padde [Geldbörse] ab. Der niederdeutsche Begriff bedeutet auch Kröte, Schildkröte. Die Begriffe Plattmulije [Brieftasche] und Pich [nicht umschlossenes oder lose mitgeführtes Bargeld] werden in Zusammenhang mit der Padde [Geldbörse] genannt.

Zefirgänger
Der Zefirgänger ist eine Abwandlung des Taschendiebs. Der Begriff wird mit Tätern in Zusammenhang gebracht, die dem schlafenden Opfer die Geldbörse aus der abgelegten Kleidung entwendet. Der Zefirgänger stiehlt hier mit seiner Heimlichkeit unter Ausnutzung der geistigen Abwesenheit des Opfers. Man kann den Zefirgänger mit dem Schlafwagentäter der heutigen Zeit vergleichen. Als Schlafwagentäter wird der Personenkreis der Taschendiebe bezeichnet, die ihre Taten in Fernreisezügen begehen, und dabei den Schlaf der Reisenden ausnutzen, um ihre Diebstähle zu begehen.

Kiesler

Der Begriff Kiesler leitet sich aus dem Wort Kies [Geld] ab. Kies wird auch in der heutigen Umgangssprache mit dem Begriff Geld übersetzt. Das Wort wurde frei übersetzt und als Umgang für Taschendiebe verwendet.

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