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Nachrichten 2002


Hauptstadt der "Klaukinder"
Köln 2002: Trotz intensiver Bekämpfungsmaßnahmen sind die ausländischen Taschendiebe weiterhin in Köln und Umgebung aktiv. Bei der Mehrzahl der festgestellten Taschendiebe handelt es sich meist minderjährige unter 14 Jahren. Schwerpunkt der "Klaukinder" ist neben dem Hauptbahnhof und dem Deutzer Bahnhof die U-Bahnhöfe in der Kölner Innenstadt und die Einkaufsmeile in der Hohestraße- Schildergasse. In den angrenzenden Geschäften lauern die jungen Taschendiebe. Besondere Vorsicht ist in stark frequentierten Schuh- und Textilgeschäften geboten, wo die Kundinnen zwecks Anprobe ihre Handtaschen oder Rucksäcke abstellen und vorübergehend unbeobachtet lassen. Ca. 27 Strafanzeigen werden täglich wegen Taschendiebstählen bei der "Ermittlungsgruppe Tasna" der Kölner Polizei festgestellt. Gerade im Vorweihnachtstrubel der einkaufslustigen Passanten sind die "Klaukinder" unterwegs. Trotz erheblicher Anstrengungen konnte die Polizei Köln die Zahl der Taschendiebstähle nicht entscheidend reduziert werden. Mit rd. 7.300 registrierten Delikten bis Ende September steht zu befürchten, dass die Rekordzahl von 9.818 Fällen aus dem vergangenen Jahr erneut erreicht wird. Auch die Nachbarstädte sind für die ortsansässigen Kinder attraktiv.

Fall 1
Opfer von 16 südländischen "Klaukindern" wurde eine 52jährige Reisende im Deutzer Bahnhof. Das Taschendiebstahlopfer wurde von der Gruppe umringt und bot der Dame deren Hilfe an, ihren Reisekoffer auf den Bahnsteig zu tragen. Auf der Rolltreppe wurde dann der Stopp-Mechanismus ausgelöst, so dass die nötige Ablenkung hergestellt wurde. Auf dem Bahnsteig angekommen wollte die Frau den Kindern etwas Kleingeld für ihre Hilfe geben. Aber als die ältere Dame ihre Geldbörse zücken wollte, war sie nicht mehr in ihrer Handtasche. 450 € Bargeld und diverse Ausweispapiere vermiste das Taschendiebstahlsopfer. Nachdem die Jugendlichen die Geldbörse gestohlen hatten verließen sie fluchtartig den Bahnhof. Aufgrund von Zeugenbeobachtungen und nach Lichtbildvorlage konnten die 16 Tatverdächtigen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren ermitteln werden. Alle sind der Polizei als aktive Taschendiebe bekannt.

Fall 2

Zwei verdächtige Mädchen wurden gegen 16.00 Uhr von Kaufhausdetektiven dabei beobachtet, wie sie versuchten einen Rucksack einer Kundin zu öffnen. Die Detektive verständigten eine Zivilstreife der Polizei und verfolgten die jungen Diebinnen. In einem angrenzenden Textilgeschäft wurden die beiden jungen Mädchen von der Zivilstreife in Gewahrsam genommne, nachdem sie einer 44jährigen Kundin ein Lederetui aus der Handtasche gefingert hatten. Die jungen Diebe hatten anscheinend das Lederetui (Inhalt: ein Blutdruckmessgerät) mit einem Portemonnaie verwechselt. Bevor die beiden Taschendiebinnen festgenommen werden konnten, warfen sie das Diebesgut von sich. Während die Beamten den Sachverhalt aufnahmen, meldeten sich in demselben Geschäft zwei weitere Geschädigte, die unmittelbar zuvor Opfer eines versuchten und eines vollendeten Diebstahls geworden waren. Die dabei entwendeten 200 Euro wurden bei einer der Täterinnen gefunden. Die Festgenommenen führten keinerlei Ausweispapiere mit sich und gaben beide an, 12 Jahre alt - und damit strafunmündig zu sein. Dies stimmte zumindest bei einer von ihnen mit dem äußeren Erscheinungsbild jedoch nicht überein. Ein von denn Ermittlern kurzfristig eingeholtes Altersgutachten kam zwar zu dem Ergebnis, dass die Jüngere der Beiden wahrscheinlich älter als 14 sein dürfte. In Anwendung einer Toleranz kann jedoch ein Alter unterhalb der Strafmündigkeit nicht ausgeschlossen werden. Die Ältere, mit einem geschätzten Alter von 16 Jahren, ist für ihr Handeln strafrechtlich verantwortlich.  Die Erziehungsberechtigten konnten von den ermittelten Beamten nicht auswendig gemacht werden, sodass beide nach den Vernehmungen der städtischen Jugendeinrichtung zugeführt wurden. Beide Täterinnen wurden erstmals in Köln als aktive Taschendiebe festgestellt. Zuvor wurde eine der beiden am 26.09.02 in Frankfurt und am 10.10.02 in Düsseldorf nach Trickdiebstählen vorläufig festgenommen.

Fall 3
Gegen 18.00 Uhr wurde eine 56jährige Passantin im U-Bahnhof Friesenplatz Opfer eines Taschendiebstahls. Bedienstete der KVB hatten eine Gruppe von vier Minderjährigen beobachtet, wie sie einer Passanten auf der Rolltreppe in die Zange nahmen. Eine Komplizin löste hierbei den Nothalt der Rolltreppe aus. Das machten sie die vier Minderjährigen zu nutze und stahlen der 56jährigen die Geldbörse aus der Handtasche. Als die KVB - Bediensteten die vier Minderjährigen festhalten wollten, warf die Täterin das Stehlgut weg.   Zwei der Flüchtenden (11, 14) konnten festgehalten und der Polizei übergeben werden. Die 14-jährige Tatverdächtige ist mit ihrer Familie seit 1989 in Köln aufhältig und seit 1996 rund 200-mal bei Diebstahlsdelikten in Köln und Düsseldorf in Erscheinung getreten. Die flüchtigen Mittäter konnten von den Spezialisten der Ermittlungsgruppe "Tasna" im Nachhinein ermittelt werden. Dabei handelt es sich um eine hinlänglich bekannte 21-Jährige, die vermutlich den Not-Halt der Rolltreppe ausgelöst hatte, sowie eine 15-jährige Intensivtäterin und einen 12-jährigen Intensivtäter. Die 15-Jährige ist in den letzten zwei Jahren über 100-mal bei einschlägigen Delikten polizeilich in Erscheinung getreten. Übertroffen wird sie noch von dem 12-Jährigen, der seit 1999 in den Städten Köln, Düsseldorf und Wuppertal mehr als 150-mal polizeilich in Erscheinung getreten ist. Die 14-jährige Schwester sitzt sogar seit dem 10.10.2002 aufgrund von mehr als 50 Diebstahlsdelikten in Untersuchungshaft. Letztmalig hatte sie einer Frau die Handtasche entrissen und das auf dem Boden liegende Opfer mit Füßen zusätzlich getreten. Der 15-jährige Bruder hat mit mehr als 300 Delikten sogar traurige Berühmtheit erlangt. Er wurde zwar zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, aber zu einer Strafvollstreckung ist es bisher nicht gekommen. Diese Form der Diebstahlskriminalität macht der Kölner Polizei angesichts einer angespannten Personalsituation erheblich zu schaffen. Mit dem Phänomen ist nämlich nicht nur die 25-köpfige (!) Ermittlungsgruppe Tasna beschäftigt sondern auch die Beamten des Streifendienstes. Diese müssen einen beachtlichen Teil  ihrer Dienstzeit für  die  Anzeigenaufnahmen und  Betreuungsmaßnahmen der Diebstahlsopfer aufwenden.