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PKS 2004

Die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Berichtsjahr 2004 wurde im Juni 2005 vom Bundesinnenminister vorgestellt. Der nachfolgende Bericht befasst sich ausschließlich mit dem Delikt Taschendiebstahl in der Bundesrepublik Deutschland. Aufgeführte Deliktszahlen stammen überwiegend aus den Polizeilichen Kriminalstatistiken der Bundesländer und des Bundes (Angaben ohne Gewähr). Der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre hält weiter an - die PKS 2004 weist den Rekordwert von 119.362 angezeigten (Hellfeld) Taschendiebstählen (Schlüsselzahl *3900) auf. Damit stieg die Anzahl der Delikte um 6,0% (6.796), währenddessen die Aufklärungsquote bei 4,9% weiter auf niedrigen Stand stagniert. Der Sonderbericht mit den angegeben Werten ist keine repräsentative Statistik und dient ausschließlich der Verdeutlichung des Deliktes Taschendiebstahl.

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kriminalstatistik im Rückblick

Taschendiebstahl in den Bundesländern

Grafische Darstellung Taschendiebstahl in den Bundesländern

Bewertung und Analyse der Fallzahlen in Nordrhein Westfalen

Auswertung der PKS 2004
Zusammenfassung
Abschlussvermerk


Einleitung
Im nachfolgenden werden die im Internet veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistiken 2004 für das Delikt Taschendiebstahl (Deliktsschlüssel "3900") aufgezeigt. Wie bereits im Unterpunkt Rechtsgrundlage beschrieben, besteht für alle Bundesländer eine einheitliche Richtlinie zur Erstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik. Bei der Recherche im Internet wurde jedoch festgestellt, dass nicht alle Bundesländer das Delikt gesondert ausführen. Teilweise wurde ausschließlich eine Kurzübersicht der PKS für das laufenden Berichtsjahr vorgefunden, die das Delikt Taschendiebstahl unter dem Gesamtpunkt "Diebstahl ohne erschwerende Umstände bzw. einfacher Diebstahl" zusammen fassen. Aufgrund dessen ist eine einheitliche Betrachtung teilweise beeinträchtigt (siehe Aussagekraft). Sechs Bundesländer, die die Fallzahl Taschendiebstahl für das Berichtsjahr 2004 nicht im Internet aufführten, wurden per E-Mail gesondert angeschrieben. Die daraus resistierenden Fallzahlen wurden in der unten aufgeführten tabellarischen Übersicht aufgelistet.

Kriminalstatistik im Rückblick
Das Delikt Taschendiebstahl (*3900) hat im Berichtsjahr 2003 den bisher höchsten Stand seit Einführung der Polizeilichen Kriminalstatistik erreicht. Der Verringerung der Fallzahlen von 1996 (112.331) bis zum Jahr 1999 (87.342) folgte im Anschluss eine ständige Steigerung der registrierten Delikte. Das bedeutet eine Steigerungsrate von 25.224 (ca. 22%) Delikten in nur fünf Jahren. Hierbei handelt es sich das "Hellfeld". Multipliziert man diesen Wert (112.566) mit dem Faktor 3 der Dunkelfeldschätzung ergibt sich eine mögliche Fallzahl von ca. 337.698 Taschendiebstählen.

PKS 2004 - Taschendiebstahl im Jahresvergleich

PKS 2004 - Taschendiebstahl von 1980 - 2003


Taschendiebstahl in den Bundesländern

PKS 2004 - Bundeslandvergleich

Anmerkung: Ungeklärt ist der Differenzwert von 4.456 angezeigten Delikten (Taschendiebstahl) bei der Multiplikation der Fallzahlen der  Bundesländer und der veröffentlichten Angabe  Bund des Bundes (Angaben ohne Gewähr).

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Grafische Darstellung Taschendiebstahl in den Bundesländern
Die Grafik verdeutlicht zeigt die Spanne zwischen den einzelnen Bundesländern. Währenddessen in Nordrhein-Westfalen die meisten Taschendiebstähle von der Polizei registriert werden, beträgt die Fallzahl in Mecklenburg Vorpommern nur 424 Fälle. Die meisten Bundesländer verzeichneten einen Anstieg im Bereich des Deliktes Taschendiebstahl. Den prozentual größten Anstieg verzeichneten das Saarland (+26,0%), Thüringen (+16,3%) und Nordrhein Westfalen (+11,1%). Damit verzeichnet der Taschendiebstahl seit 1999 einen Anstieg von 32.020 angezeigten Delikten.

PKS 2004 - Grafik Bundesländer

Bewertung und Analyse in Nordrhein Westfalen
Das Bundesland Nordrhein Westfalen hat wiedererwartend die mit Abstand höchste Fallzahl im Deliktsbereich Taschendiebstahl. Im Vergleich der Bundesländer registrierte die Polizei Nordrhein Westfahlen 43.834 angezeigte Delikte im Berichtsjahr 2004. Gegenüber dem Vorjahr 2003 (39451 angezeigte Delikte) hat die Fallzahl somit um 11,1% zugenommen und erreicht seinen bisher höchsten Stand. "Hauptstadt der Taschendiebe" ist erneut Köln, obwohl die einheimische Polizei 168 Taschendiebstähle (-1,3%) weniger als im Vorjahr zählte. Ca. 27,6% der angezeigten Taschendiebstähle in Nordrhein Westfahlen wurden in Köln begangen. Die Verringerung der Fallzahlen führt die Polizei auf ein verstärktes offensives Auftreten zurück, das somit zur Verdrängung der ortsansässigen Taschendiebe führte. Diese Maßnahme führte zur Fallsteigerung im Bereich Düsseldorf um 29,6% und in Duisburg um 12,2%. Düsseldorf zählte im Berichtsjahr 2004, 5.117 Taschendiebstähle (+1.169 / + 29,61%). Im Bereich des BGS (Hauptbahnhof) wurden 1.315 Delikte verzeichnet. Weiter abgenommen hat die Aufklärungsquote der Düsseldorfer Polizei. Nur 4,61% der registrierten Delikte konnten aufgeklärt werden (-0,43%). Die Polizei Münster verzeichnete im Berichtsjahr 2004 den höchsten Anstieg beim Delikt Taschendiebstahl. In der westfälischen Stadt Münster wurden im Jahr 2004, 1.061 Taschendiebstähle angezeigt. Das entspricht einer Steigerung von 281 Fällen. Im Berichtsjahr 2004 wurden von der Polizei Nordrhein Westfalen 2.229 Taschendiebstähle aufgeklärt. Das entspricht einer Aufklärungsquote von ca. 5,1%. Damit nimmt dieser Sachbereich eine der geringsten Aufklärungsquoten ein. Über die Hälfte die ermittelten Tatverdächtigen (51,8 %) waren jünger als 21 Jahre. Bei 16,4 % der registrierten Täter handelte es sich um strafunmündige Kinder. Die Strafverfolgungsbehörden registrierten einen 67,2%igen Anteil nicht deutscher Täter. Bei 46% handelt es sich hierbei um. Mit 67,2% ermittelter nichtdeutscher Täter liegt diese Anzahl erneut hoch. 46,0% der Täter zählten sich zu Angehörigen einer mobilen ethnischen Minderheit (545).

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Auswertung PKS 2004
Der Aufwärtstrend beim Delikt Taschendiebstahl hält nicht nur weiter an, sondern verzeichnet in der Geschichte der Polizeilichen Kriminalstatik den bisher höchsten Stand. Im Berichtsjahr 2004 wurden 119.362 Fälle des Delikts Taschendiebstahl bei der Polizei bekannt. Damit stiegen die angezeigten Fälle um 5.796 im Vergleich zum Vorjahr. Ein weiter erschreckender Wert in Zusammenhang mit dem Delikt ist die Aufklärungsquote! Recherchiert man in der Polizeilichen Kriminalstatistik in der Aufklärungsquote, wird man schnell feststellen, dass ein Taschendiebstahl die wenigsten Aussichten auf Aufklärung bietet. Die angegebene Aufklärungsquote beträgt gerade einmal 4,9%. Beim Vergleich der einzelnen Bundesländer ist die "Schere" zwischen den Bundesländern verhältnismäßig groß. Währenddessen in Hamburg nur 2,2% der angezeigten Fälle aufgeklärt werden, beträgt die Aufklärungsquote in Brandenburg 12,3%. Gründe für diese Unterschiedliche Aufklärungsquote beruhen ausschließlich auf Spekulationen, jedoch ist die große Anonymität in den Ballungsgebieten vermutlich die Hauptursache. In den Ballungsschwächeren Bundesländern halten sich überwiegend ortsansässige Taschendiebe auf, die nur Gelegentlich in anderen Bezirken und Städten ihr Unwesen treiben. Großstädte wie Berlin, Hamburg, Köln oder auch Düsseldorf sind ständig beliebte Aufenthaltsorte für professionelle Taschen- und Trickdiebe. Nordrhein Westfahlen ist im Bundesländervergleich wieder einmal Spitzenreiter. Die Problematik der sog. Klaukinder spielt hier eine große Rolle (siehe andere Berichte). War in den vergangenen Jahren Köln Hauptausgangspunkt für regional agierende Taschendiebe, ist ein Ausweichen auf andere Städte im Ruhrgebiet zu erkennen. Städte, wie Düsseldorf, Duisburg oder auch Münster melden Rekordwerte in Zusammenhang mit Taschendiebstahldelikten. Während die Fallzahlen in den Ballungsbieten leichte Zunahmen verzeichneten, ist gerade in ländlicheren Regionen ein großer Anstieg der Kriminalität erkennbar. Das Saarland verzeichnet einen Anstieg von 26,0% beim Taschendiebstahl und nimmt in dieser Statistik den 1.Platz ein. Ungeklärt ist der Differenzwert bei Multiplikation der Fallzahlen der Bundesländer und der veröffentlichten Fallzahl des Bundes. Prognosen zufolge ist ein Ende der Rekordzahlen noch lange nicht erreicht.

Zusammenfassung
Eine genaue Fallzahlenangabe lässt sich nur schwer errechnen, da zum einen das o.g. "Dunkelfeld" beim Taschendiebstahl eine sehr große Rolle spielt, und zum anderen Taschendiebstähle zum Beispiel als "schwerer Diebstahl", Diebstahl mit Waffen oder Bandendiebstahl gewertet werden können, wenn die Tatbestandsmerkmale eingetreten sind. Das Delikt Taschendiebstahl ist im Berichtsjahr 2004 erneut gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Steigerungsquote beträgt ca. 6,0%. Der Rekordwert des vorangegangenen Jahres stieg um 6.796 auf 119.362. In Anbetracht der bevorstehenden Großereignisse, wie z.B. Sportereignisse  und der damit anzunehmenden Zunahme professioneller Taschen- und Trickdiebe, die speziell dafür in die Bundesrepublik Deutschland aus dem Ausland anreisen, gehen Expertenhochrechnungen davon aus, dass das Ende der Rekordzahlen noch lange nicht erreicht sein wird. Aufgrund personeller Einschränkungen bei der Bekämpfung der Taschen- und Trickdiebstahlkriminalität ist der Aufwärtstrend nicht zu stoppen. Taschendiebe sind Profis und geschulte Spezialisten auf ihrem Gebiet. Das erfordert auf Seiten der Exekutive nicht nur eine hohe "Mannzahl", sondern auch speziell ausgebildete Fahnder, die sich ständig der Bekämpfung des Delikts annehmen. Anlassbezogene Sondereinsätze wirken zusätzlich Abschreckend und bilden  in Zusammenhang mit dem ständigen Einsatz einen wichtigen Faktor.

Abschlussvermerk
Die polizeilichen Kriminalstatistiken der Bundesländer und des Bundes werden auf Grundlage der Richtlinie zur Erstellung der Kriminalstatistiken gefertigt und der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Statistiken dienen der Kriminalitätsbekämpfung, insbesondere der Beobachtung einzelner Deliktsarten. Dabei werden die Delikte anhand von Deliktsschlüssel registriert und bewertet. Eine objektive Betrachtung der Polizeilichen Kriminalstatistik ist jedoch nur möglich insofern alle Kriminalstatistiken nach einem gemeinsamen und einheitlichen Muster ausgewiesen werden. In den Medien, insbesondere dem Internet werden die registrierten Delikte in unterschiedlichster Weise ausgewiesen, sodass eine objektive Gegenüberstellung der Fallzahlen mit anderen Bundesländern fast unmöglich erscheint. Bei der Recherche wurde eine Vielzahl von veröffentlichten Kriminalstatistiken gefunden. Die Aussagekraft der einzelnen Landesstatistiken reichte von ungenügend bis sehr gut. Die Kriminalstatistiken von Berlin und Hamburg schnitten im Vergleich der Bundesländer am besten ab. Die Kriminalstatik Hamburg ist im Verhältnis zu den anderen Ländern zwar mit Abstand die "größte (Dateigröße), jedoch auch die ausführlichste und erhielt die Bestnote. Um den Anspruch der objektiven Betrachtung einzelner Polizeilichen Kriminalstatistiken gerecht zu werden, empfiehlt es sich eine gemeinsame Plattform (Internetseite) einzurichten, in der alle Polizeien des Bundes ihre persönliche Kriminalstatistik einstellen und für die Allgemeinheit öffentlich machen. Hierbei sollte einheitlich nach einem gemeinsamen Muster vorgegangen werden. Die Kriminalstatistiken dienen nicht nur der Polizei, Justiz und Politik bei der Verbrechensbekämpfung und Einleitung von Folgemaßnahmen, sondern geben Aussage über den Sicherheitszustand im Bundesland und der Bundesrepublik Deutschland. Die Kriminalstatistiken werden für die Bürger gemacht und sollten für alle leicht zugänglich gemacht werden. Generell sollte es keine weiteren Abstufungen im Deliktsbereich Taschendiebstahl geben. Die Unterscheidung in "Taschendiebstahl - von unbaren Zahlungsmitteln" kann über tatsächliche Fallzahlen hinwegtäuschen.

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Quellen: Bundeskriminalamt, Polizeien der Länder,  Es handelt es sich um keine offizielle und repräsentative Statistik - Fallzahlen wurden aus den jeweiligen Kriminalstatistiken entnommen. Alle Angaben ohne Gewähr.