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Polizeiliche Kriminalstatistik

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist die bekannteste und am häufigsten verwendete Kriminalstatistik. 1971 wurde die elektronische Verarbeitung der Daten eingeführt und  wird jährlich von den Innenministern der Länder vom Bundesinnenminister herausgegeben. Die Delikte werden in Schlüsselzahlen aufgeteilt, die nach strafrechtlichen oder kriminologischen Merkmalen vergeben werden. Das Delikt Taschendiebstahl ist als Unterpunkt in der Gruppe, "Diebstahl ohne erschwerende Umstände" bzw. als "einfacher Diebstahl" eingegliedert. Im Folgenden wird sich mit dem Deliktsfeld Taschendiebstahl, den Artverwandten  oder Folgedelikten beschäftigt. Zunächst erhalten Sie allgemeine Informationen bezüglich der Kriminalitätsstatistik. Über die Berichtsjahre gelangen Sie zu den jeweiligen Kriminalstatistiken.

 

Rechtsgrundlage
Die Rechtsgrundlage für die Polizeiliche Kriminalstatistik auf Ebene des Bundes ist das "Gesetz über das Bundeskriminalamt und die Zusammenarbeit des Bundes und der Länder in kriminalpolizeilichen Angelegenheiten" (§2 Abs. 6 Ziffer 2). Danach hat das Bundeskriminalamt als oberste Stelle alle kriminalpolizeilichen Statistiken und Analysen einschließlich der Kriminalstatistik zu erstellen und hierfür die Entwicklung der Gesamtkriminalität zu beobachten. Für die Erfassung durch die Polizeidienststellen von Bund und Ländern sind die bundeseinheitlichen "Richtlinien für die Einführung der Polizeilichen Kriminalstatistik" verbindlich.

Definition
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist die Zusammenfassung aller der Polizei bekannt   gewordenen strafrechtlich relevanten Sachverhalte einschließlich der mit Strafe  bedrohten Versuche unter Berücksichtigung der erfassbaren wesentlichen Inhalte.

Zweck
Die Polizeiliche Kriminalstatistik dient der Kriminalitätsbekämpfung, insbesondere der Beobachtung einzelner Deliktsarten, des Umfanges an der Zusammensetzung des Täterverdächtigenkreises sowie der Veränderung des Kriminalitätsquotienten. Des Weiteren findet die PKS Anwendung bei der Erfassung von Erkenntnissen für eine zielgerichtete Verbrechensbekämpfung sowie der individuellen Präventionsarbeit der Polizeien. Die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik dient der organisatorischen Planung und Entscheidung, sowie kriminologisch - soziologischen Forschung und der kriminalpolizeilichen Folgemaßnahmen.

Aussagekraft
Die Aussagekraft der PKS ist begrenzt. Aufgenommen wird nur die polizeilich registrierte Kriminalität, das heißt angezeigte Sachverhalte mit strafprozessualen Bezug (sog. "Hellfeld - Kriminalität"). Aufgrund dessen kann die PKS wenig Anhaltspunkte für die Veränderung der Allgemeinkriminalität geben. Andere Ursachen wie das Anzeigenverhalten der Bevölkerung, die polizeiliche Kontrolle, Probleme bei der statistischen Erfassung sind Faktoren, die bei der Betrachtung der PKS herangezogen werden müssen. Vorwürfe der Manipulation in Bezug auf Beschönigung der Statistik treten immer wieder auf, und müssen genau geprüft werden. Die tatsächliche Anzahl angezeigter Taschendiebstähle kann durch eine veränderte Einstufung des Taschendiebstahls, in eine ähnliche Deliktsgruppe vorgenommen werden.

Inhalt
In der Polizeilichen Kriminalstatistik werden die angezeigten und registrierten Verbrechens und Vergehenstatbestände einschließlich der mit Strafe bedrohten Versuche und die ermittelten Tatverdächtigen erfasst. Einbezogen sind auch die vom Zoll bearbeiteten Delikte in Bezug auf Rauschgift. Nicht enthalten sind Ordnungswidrigkeiten, politisch motivierte Straftaten (Staatsschutzdelikte)  und  Verkehrsdelikte  (wohl aber die §§ 315, 315b StGB und §22a StVG). Um ein möglichst vollständiges Bild der erfassten Sicherheitslage zu erhalten, werden in die Erfassung zur PKS schuldunfähige psychisch Kranke und strafunmündige Kinder (unter 14 Jahren) mit einbezogen. 

Dunkelfeld
Unter dem Dunkelfeld der Kriminalität wird die Summe jener Delikte verstanden, die den Strafverfolgungsbehörden (Polizei und Justiz) nicht bekannt werden und deshalb in der Kriminalstatistik auch gar nicht erscheinen. Nicht bekannt werden vor allem solche Straftaten, die von den Opfern oder anderen Personen nicht angezeigt werden; denn nur 2,0% bis 5,0% aller registrierten Delikte werden Polizei und Justiz von Amts wegen bekannt. Für die Bedeutung der polizeilichen Kriminalstatistik ist zu bestimmen, wie groß das Dunkelfeld ausfällt. Hierzu kann die Dunkelziffer-Relation genannt werden: Diese beschreibt das Verhältnis der Zahl der Polizei bekannt gewordenen Delikte zu der Anzahl der nicht bekannt gewordenen Straftaten. Wie dieses Verhältnis genau aussieht, ist nicht bestimmbar, da nicht nachgewiesen werden kann, wie viele Delikte nicht angezeigt werden. Es wird aufgrund der Bochumer Dunkelfeld-Schätzungen davon ausgegangen, dass das Verhältnis zwischen entdeckten Delikten "Taschendiebstahl" und dem Dunkelfeld dieses Deliktes 1:3 ist. Die Größe des Dunkelfeldes beim Delikt Taschendiebstahl ist kaum schätzbar und wird sehr groß sein. Ursachen für die hohe Anzahl nicht angezeigter Taten sind mehrere zu finden:  Viele Opfer eines Taschendiebstahls bemerken gar nicht, dass sie bestohlen worden sind. Sie führen beispielsweise den Verlust der Geldbörse auf Verlieren oder Liegenlassen zurück und Unterlassen deshalb eine Anzeige. Für andere Opfer eines Taschendiebstahls steht der Wert des Entwendeten nicht in Relation zum Aufwand des Aufgebens einer Strafanzeige. Das Opfer eines Taschendiebstahls hat zudem geringe Aussichten, durch die Ermittlung des Täters wieder in den Besitz des entwendeten Portemonnaies oder dem sich darin befindlichen Geld zu gelangen. Die Täter werfen meist schon direkt nach der Tat das Beweismittel weg und verwahren das entwendete Geld an geheimen Orten.

Da im Allgemeinen ein Versicherungsschutz gegen Taschendiebstähle nicht möglich ist, besteht keine Notwendigkeit, der Versicherung einen Nachweis für den Schaden vorzulegen, d.h. eine Anzeige bei der Polizei zu machen. Auch bei kurzen Aufenthalten auf Bahnhöfen zeigen Opfer von Taschendiebstählen die Tat selten an, da Zeitdruck besteht und das Aufgeben einer Anzeige bei der Polizei mit dem Verpassen des Zuges verbunden wäre. Ein weiterer Hinweis für die Existenz etlicher Taschendiebstähle ist das Vorhandensein großer Mengen leerer Geldbörsen bei den Fundbüros. Viele Taschendiebe entledigen sich schon kurz nach der Tat von jeglichen Beweismitteln, sie lassen beispielsweise die leeren Geldbörsen auf den Boden fallen. Aufgrund der gerade genannten Gründe  sind die  Zahlen  in den  Kriminalstatistiken bezüglich  der Anzahl der begangenen Taschendiebstähle ausschließlich dem "Hellfeld" zuzurechnen, bzw. den Taten, die der Polizei bekannt geworden sind.

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